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Gambia – The best of the west and fuck the rest, heisst es so schön unter Reisenden. Ob sich dieser Spruch wohl bewahrheiten wird?

 Nach einem unschönen und stressigen Grenzübertritt bin ich endlich in Banjul angekommen und hab ich mich auf dem Campingplatz Sukuta einquartiert. Es ist ein beliebter Treffpunkt für Overland Reisende. Ein Pärchen aus Schwaben hat diesen schönen Campingplatz aufgebaut. Einige Gäste kamen mir schon aus dem Senegal bekannt vor. Unter ihnen auch der Berliner Frank, der als Backpacker von Marokko angereist ist und bis nach Ghana weiter will. Ich hab ihm einen Platz bei mir im Auto bis Bamako angeboten. Auch hab ich Manfred hier getroffen, mit dem ich allabendlich beim Essen war und interessante Gespräche geführt habe. Er hat mir ein verlockendes Angebot für meinen Mercedes gemacht. 2000 Euro wollte er dafür zahlen. Schon mal nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass ich in Deutschland dafür 1500 Euro bezahlt hatte. Fast hätte ich verkauft, aber dann wollte ich doch nicht das unabhängige Reisen schon jetzt aufgeben. Mein Plan war das Auto in Burkina Faso zu verkaufen, dort kannte ich einen potentiellen Käufer den ich in Dakar kennen gelernt hatte. Nach ein paar wirklich entspannenden Tagen in der Hauptstadt Banjul ging es mit Frank weiter in den Süden des Landes, in ein kleines Küstendorf namens Kartong. Es ähnelt nicht einer Touristen Destination und die Leute sind überhaupt nicht aufdringlich. Die Boboi Lodge in der wir unser Lager aufschlugen liegt direkt an einem paradiesischen Palmenstrand und Surfboards gibt es kostenlos zum ausleihen. Abends gibt es leckeren Fisch zu essen. Nachts sitzt man ums Lagerfeuer, am Strand, singt erzählt und trommelt auf den Kongas. Ein idealer Ort um abzuschalten und zu geniessen. Pünktlich zu meinem Geburtstag am 23.12.2009 tauchten auch Barbara und Marcel wieder auf mit einer riesengrossen Flasche Heinz Ketchup. Was für ein geniales Geschenk, endlich hatte ich wieder eine Sauce zu trockenem Reis oder Nudeln.

Foto: Mein Auto auf der Fähre über den Gambia Fluss, wer kann es entdecken?

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Foto: Der Strand bei Kartong im Süden des Landes ist einfach traumhaft und dazu noch menschenleer.

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Foto: Camping am Strand der Boboi Lodge. Kein Hotel dieser Welt kann einen solch traumhaften Schlafplatz bieten.

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Foto: Vogelschwarm bei Kartong.

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Foto: Das bin ich mit einem lebenden Halsschmuck.

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Foto: Afrikanischer Schwertransport über den Gambia Fluss in den Senegal

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Foto: Das Surfen ist hier bei Einheimischen und auch Touristen sehr beliebt.

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Foto: Eine Angestellte der Boboi Lodge und Tinika (Mama Africa) aus Holland, leisten uns Gesellschaft.

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Afrikanische Weihnachten

Weihnachten 2009 verbrachten wir in Kartong. Es war keine besondere Feier am heiligen Abend in unserer Lodge und zu essen bekamen wir ein halb verhungertes Huhn. Tagsüber hatten wir uns durch das ganze Dorf gefragt bezüglich der Christmette und jeder meinte das diese um Mitternacht stattfinden sollte. Aber als wir dort ankamen war die Messe gerade zu Ende. Das ganze Dorf wusste aber schon Bescheid, dass zwei Weisse (Toubabs) kommen werden. Als wir ankamen kannten einige schon unsere Namen. Michael ein Gambianer meinte er kenne eine Bar ganz in der Nähe. Wir folgtem ihm und kamen in eine kleine Hütte mit lauter afrikanischer Musik. Es waren nur ein paar wenige Leute dort und Michael meinte auf dem Dorfplatz findet eine grosse Weihnachtsfeier statt. Wir waren begeistert und Barbara und ich waren die einzigsten Toubabs dort. Wir wurden freundlich in die Gemeinschaft aufgenommen und bekamen auch sogleich einen Palmwein in die Hände gedrückt. Das ganze Dorf schien versammelt zu sein. Es gab einen Saxophonspieler, mehrere Trommler und gut gelaunte Menschen bildeten einen Kreis darum, tanzten und klatschten mit speziellen Holzstäben. Diese Menschen haben eine derartige Freude ausgestrahlt, sodass wir uns sofort integriert, gut gelaunt und sehr wohl fühlten. Ein echter Gänsehaut Moment an den ich immer wieder zurück denke.

Foto: Die Kirche von Kartong.

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Die unglaubliche Gastfreundschaft der Gambianer

Am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertages holte uns Michael ab um zusammen mit ihm Weihnachten in der Kirche zu feiern. Es war total witzig und sehr aufregend. Der Pastor hatte sich beschwert da er schon um 8 Uhr mit der Kirche beginnen wollte, die Leute aber erst um 9.30 Uhr erschienen. Das Beste aber war der Gospelchor mit Trommlern. Unglaublich welches Talent in diesen Menschen hier steckt, so macht ein Gottesdienst Spass. Nach der Messe nahm uns Michael mit zu seiner Schwester. Dort wurden wir herzlich aufgenommen und bekamen die Gastfreundlichkeit der Gambianer zu spüren. Angestossen wurde mit Palmwein und dazu gab es Yassa, das Nationalgericht des Landes. Nach einem mehrstündigen Gespräch mit dem halben Dorf beschenkten uns die Menschen mit Orangen für unsere Weiterreise. Eine solche Gastfreundschaft hatten wir nicht erwartet. In Deutschland können wir uns davon alle eine Scheibe abschneiden. Abends gabs ein dann ein grosses Buffet in der Boboi Lodge und später kamen Trommler aus Kartong zum Strandfeuer.

Foto: Der Weihnachtsmann bei uns im Camp.

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Back on the road

Am zweiten Weihnachtsfeiertag hiess es endlich wieder „Back on the road“. Wir wollten das 300 km entfernte Georgetown im Westen von Gambia erreichen. Tinika eine Holländerin, die wir in der Boboi Lodge kennengelernt haben und sich Mama Africa nennt, nahmen wir ein Stück weit mit. Sie arbeitet als Lehrerin in einem kleinen Dorf. Am Wochenende und in den Schulferien lebt sie in der Boboi Lodge in einem Zelt um in Kontakt mit Europäern zu bleiben. Die Fahrt ging weiter und irgendwann bevor wir unser Ziel erreichten wurde es dunkel und wir mussten unser Nachtlager neben der Strasse unter einem grossen Baobab Baum aufschlagen. Am nächsten Morgen erreichten wir dann Georgetown. Zweimal mussten wir mit der Fähre über den Gambia Fluss um das Janjanbureh Camp zu erreichen. Es wimmelte hier von Affen die einem das Essen klauen wollen. Schuld daran sind die großen Reisegruppen, die ihren Spass daran haben die vielen Affen zu füttern. Am nächsten Tag unternahmen wir eine Bootstour zur Schimpanseninsel mit einigen anderen Touristen. Bis wir die Insel erreichten vergingen 3 Stunden. Aber es lohnte sich. Wir bekamen Schimpansen, Krokodile, Hippos und Paviane zu sehen.

Foto: Die Fahrt ging weiter in Richtung Osten, immer dem Fluss entlang.

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Foto: Unser Schlafplatz, direkt unter einem grossen Baobab Baum. Was kann es schöneres geben.

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Foto: Unser Land Rover auf der Fähre über den Gambia Fluss.

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Foto: Barbara hat Spass mit den Kindern. 

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Foto: Im River Gambia Nationalpark leben noch einige Schimpansen.

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Foto: Sonnenuntergang auf dem Gambia Fluss

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Foto: Steinkreise bei Wassu – Die Steine wurden um das 8. Jahrhundert von einer Megalithkultur auf früheren Gräbern aufgerichtet und bilden die ältesten megalithischen Konstruktionen in der Subsahara und südlich des Horns von Afrika.

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Foto: Ein Termitenhügel in der Buschlandlandschaft der Sahelzone.

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Ich der Drogendealer – Verhör und Festnahme

Auf der Fahrt von Georgetown in den Senegal war die Polizei eine richtige Plage. Es herrscht hier Diskriminierung der übelsten Art. Jede 5 km war eine Polizei oder Militärkontrolle. Manche von den Beamten wollten nicht mal von ihrem Hocker in ihrer Hütte aufstehen um unsere Papiere zu kontrollieren. Das schlimmste an diesem Tag war jedoch eine Kontrolle bei der auch Drogenfahnder mit dabei waren. Das sind die allerschlimmsten. Zuerst haben sie in den Rillen der Autositze nach Drogen gesucht, haben auf dem Beifahrersitz zwei Samen gefunden und vermutet es wären Drogen. Das hat ihnen den Rest gegeben und sie haben das ganze Auto und Gepäck auseinander genommen, haben aber natürlich nichts gefunden. Daraufhin meinten sie ich solle mit in die Station kommen um eine Erklärung abzugeben warum ich zwei vermutete Cannabissamen auf dem Beifahrersitz hatte. Später hatte ich meine Hosentaschen zu leeren und musste alles abgeben, da sie mir mit Gefängnis drohten. Marcel und Barbara kamen auch ins Revier und wurden ebenfalls untersucht, sowie auch Frank der bei mir mitfuhr. Da ich aber der Besitzer des Autos war, bin ich der Verantwortliche für den Inhalt gewesen und somit ein Gesetzesbrecher. Wir waren nun alle im Polizeirevier und wollten wissen wie es nun weitergeht. Daraufhin erklärte uns der Sheriff dass ich mein Auto nun abgeben müsse und in den Knast in der Kaserne in Banjul gesteckt werde bis es zur Gerichtsverhandlung kommt. Ich konnte es im ersten Moment nicht glauben was geschieht aber er meinte es wirklich ernst. Barbara meinte ich solle die deutsche Botschaft in Dakar anrufen um zu fragen was ich tun soll. Sie holte das Handy. Als sie draußen war meinte der Beamte auf einmal, dass ich jetzt frei komme. Puh, ich war erleichtert und hab mich bedankt. Das war richtig knapp. Ansonsten hätten meine Mitreisenden eine Kaution für mich hinterlegen müssen, damit ich frei komme. Aber es war auch ziemlich lächerlich, mich wegen zwei Samen in das Gefängnis zu stecken und eine Gerichtsverhandlung zu halten. Eigentlich dachten wir Gambia wäre einfacher zu bereisen mit dem Auto. Dagegen ist das Reisen im Senegal und Mauretanien wirklich ein Kinderspiel. Als wir den Senegal wieder erreichten war die Polizei freundlich, bei jeder Kontrolle wurden wir einfach durchgewinkt. Abends erreichten wir Tambacounda im Südosten des Senegal und ich war  froh im Bett zu liegen.

Kilometerstand seit der Abfahrt in Göggingen, Baden Württemberg: 8200 km

Weitere Artikel dieser Reise

Einmal rund um Afrika – Teil 3 – Senegal

Einmal rund um Afrika – Teil 2 – Mauretanien

Einmal rund um Afrika – Teil 1 – Marokko

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