Skopje - Mazedonien und Belgrad Serbien - Balkans Trip (1010 von 64)

…und warum das keine so gute Idee war. Jetzt wird es abenteuerlich. Wir hätten nie damit gerechnet, dass wir in den letzten Tagen unserer Interrail Reise noch so viel erleben würden. Diesen Abschnitt hatten wir im Geiste eigentlich schon unter der Rubrik „schnelle Heimreise“ verbucht. Doch es kam ganz anders.

Von Thessaloniki nach Mazedonien

Die letzte Zugfahrt sollte von Thessaloniki über Budapest und Wien zurück in unsere Heimat nach Bayern verlaufen. Zu unserem Reisezeitpunkt war die Bahnstrecke von Griechenland nach Mazedonien aber gesperrt. Die Bahngleise verlaufen durch den Grenzort Idomeni, der, wie die meisten aus der Weltpresse kennen, von Flüchtlingen aus dem Nahen Osten blockiert wurde. Es gab nicht viele Alternativen, um aus Griechenland herauszukommen. Entweder zurück mit der Fähre nach Italien und von dort mit dem Hochgeschwindigkeitszug „Freccia Rossa“ nach Norden düsen, oder mit der Bahn einen Haken fahren und über die Türkei in Richtung Norden. Beides waren keine sehr gute Alternativen. Also entschieden wir uns dazu, einfach mal in Richtung Idomeni an die mazedonische Grenze zu fahren. Irgendwie wird es schon weiter gehen. Am Hauptbahnhof in Thessaloniki kauften wir uns zwei Bustickets nach Gevgelija. Das ist der Grenzort auf der mazedonischen Seite. Kostenpunkt 8 Euro pro Person. Der Zugverkehr in diese Richtung war zu dieser Zeit (April 2016) leider komplett lahmgelegt.

Wir hatten ein paar Stunden Aufenthalt in Thessaloniki und machten einen Spaziergang zur Gedenkstätte Zeitenlik. Das ist ein grosser Militärfriedhof der Alliierten aus dem 1. Weltkrieg. Hier liegen Serben, Franzosen, Engländer, Italiener und Russen. Die Soldaten sind an der Salonica Front im Kampf gegen Deutschland, Österreich-Ungarn und Bulgarien gefallen. Zusammengezählt ergibt das mehr als 20 tausend Grabdenkmäler.

In Gevgelija angekommen checkten wir dann in einem Casino Hotel ein. Das Grenzgebiet zwischen Griechenland und Mazedonien wird auch als das Las Vegas Europas bezeichnet, aber das ist nun wirklich etwas übertrieben. Für die Griechen ist eine kurze Auszeit im Nachbarland einfach unglaublich günstig. Schon für ein paar wenige Euro kann man sich am Spielautomaten vergnügen. Die wirtschaftliche Situation in dem kleinen Land ist katastrophal, wie uns die Taxifahrer erzählten. Eine Fahrt kostet nur 2 bis 3 Euro, je nachdem wie hart man verhandeln möchte bei dem Preis. Übrigens, die Taxifahrer in Mazedonien sind absolute Gentlemen, sie halfen Marion immer in ihren schweren Rucksack, was bisher nirgendwo auf der Welt geschehen ist.

Das Flüchtlingscamp von Idomeni

Im Hotel lernten wir auch andere Deutsche kennen, die im wilden Flüchtlingscamp von Idomeni beschäftigt waren. Wir beschlossen uns ihnen anzuschliessen und einen Tag mit den Menschen im Camp zu verbringen um uns ein eigenes Bild von der Situation vor Ort zu machen. Zum einen wollten wir diesen Menschen auch eine Stimme geben und zeigen: “ Wir sind hier, lasst uns nicht alleine in diesem Elend.“ Zum anderen wollten wir auch zeigen, dass es ganz normale Menschen wie du und ich sind, die einfach nur Sicherheit und Geborgenheit suchen. Die Anwesenheit von Fotografen und Journalisten ist wichtig und die Menschen dort wissen und respektieren das. Natürlich sollte man als Fotograf auch Respekt zeigen und auf die Leute eingehen und anhören was sie zu sagen haben. Das ist es was diese Menschen brauchen: Jemand der ihnen zuhört und ihre Geschichte an die Öffentlichkeit bringt. Zum anderen wollen wir die Menschen in Deutschland und Europa wachrütteln, um die Menschlichkeit in Ihnen dazu aufzufordern auf irgendeine Art und Weise zu helfen. Es gibt viele Arten von Hilfe. Sei es als Freiwilliger in einer Einrichtung in Deutschland oder vor Ort, mit Geldspenden oder einfach nur als Begleitung oder Zuhörer im Alltag. Wir müssen offen sein für andere Menschen und Kulturen, denn nur so kann eine friedliche Welt funktionieren.

Idomeni (2 von 1) Idomeni (3 von 1) Idomeni (1 von 1) Idomeni (4 von 1)

Hierzu gibt es von Daniel eine Dokumentation, in der wir mehr über die Menschen und unsere Eindrücke aus Idomeni erzählen. Wenn du daran Interesse hast, dann klicke bitte auf den folgenden Link: ONE DAY IN IDOMENI

Von Gevgelija nach Skopje

Wiedermal sollte es weiter gehen und wieder mal gab es keinen Zug. Immer wenn wir danach fragten, hieß es entsetzt und kopfschüttelnd: „No, don´t take the train. It´s very bad“. Manchmal gab es neben dem Kopfschütteln auch Schmunzeln oder kleine Lachanfälle. Am Schluss kam jedoch heraus, das die Züge bzw. der Zug in Mazedonien nicht nur in sehr schlechtem Zustand ist, sondern dass er überhaupt nicht mehr in Betrieb ist, weil er wohl völlig zerstört ist. Glücklicherweise ist das Bus fahren im Balkan sehr günstig und wir konnten die Zusatzkosten verschmerzen.

Kleiner Tipp am Rande: Wenn du in Griechenland bist, dann sag bitte nicht, dass du nach Mazedonien fährst. Die Griechen sind dann nämlich sofort beleidigt und schalten auf Durchzug. Sie sind mit der Namensgebung des Landes nicht einverstanden, weil es in Griechenland auch eine Region namens Mazedonien gibt. Sie wollen auf keinen Fall, das es eine Verbindung zum Staat Mazedonien gib. Das muss man nicht verstehen, aber so lassen sich Probleme vermeiden. Der Staat Mazedonien heisst für die Griechen FYROM (Former Yugoslav Republic of Macedonia) und so solltet ihr das Land in Griechenland auch benennen.

Skopje

In Skopje angekommen erzählt uns ein aufgeregter Taxi Fahrer von der schlimmen politischen Lage im Land. Wir kamen nur wenige Tage nach Beginn der „Colourful Revolution“ in die Stadt. Sämtliche Regierungsbehörden und Denkmäler wurden mit Farbbomben beworfen und sahen auch dementsprechend aus. Abgesehen davon ist die Innenstadt richtig hübsch und erinnert an eine kleine Märchenwelt mit vielen Wasserspielen, Brunnen, Skulpturen und bunten Lichtern. Am Flussufer ertönt klassische Musik aus den Lautsprechern. Es gibt auch ein altes historisches muslimisches Viertel, in dem man Tee trinken und orientalischen Flair genießen kann. Wir hatten hier leider nicht viel Zeit, aber wir möchten unbedingt noch mal zurückkommen.

Die Augen der Löwenstatue wurden während einer Demo der „Colourful Revolution“ mit roter Farbe bemalt.

Stopover in Skopje Mazedonien - Balkan

Im modernen Zentrum von Skopje steht eine grosse Statue von Alexander dem Grossen.

Stopover in Skopje Mazedonien - Balkan Stopover in Skopje Mazedonien - Balkan

Blick von der anderen Seite des Flusses. Die Wohnwägen sind Unterkünfte der Bauarbeiter.

Stopover in Skopje Mazedonien - Balkan Stopover in Skopje Mazedonien - Balkan Stopover in Skopje Mazedonien - Balkan Stopover in Skopje Mazedonien - Balkan

Das National Museum von Mazedonien. Leider fehlte uns aber die Zeit um dieses zu besuchen.

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Das Gate Macedonia mit Spuren der „Colourful Revolution“

Stopover in Skopje Mazedonien - Colourful Revolution Stopover in Skopje Mazedonien - Balkan - Colourful Revolution

Ausschnitt aus der lokalen Tageszeitung

Tageszeitung in Skopje Mazedonien - NATO Stopover in Skopje Mazedonien - Balkan

In der ganzen Stadt sind wunderschöne Brunnen und Statuen zu finden.

Stopover in Skopje Mazedonien - Balkan

Bei unserer kurzen Tour durch die Stadt sind wir auch in das historische, muslimisch geprägte Viertel gekommen. In Mazedonien gibt es übrigens einen muslimischen Anteil der Bevölkerung von 40%.

Stopover in Skopje Mazedonien - Balkan Stopover in Skopje Mazedonien - Balkan

Unsere Unterkunft in Skopje

Wir hatten ein Zimmer in einer Wohnung für drei Parteien im „Hostel 42“. Es war sehr angenehm und der Inhaber war ein sehr netter und hilfsbereiter Mann. Egal, welche Frage man ihm stellte, er versuchte sie immer zu beantworten. Zur Not auch mithilfe mehrerer Telefonate. Als wir ins Badezimmer gingen, gab es ein Problem mit dem Licht und plötzlich knallte es laut und der Strom war weg. Obwohl es Sonntagabend war, kümmerte unser Gastgeber sich sofort um die Behebung des Problems und ließ einen Elektriker kommen. Wir würden jederzeit wieder dort übernachten.

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Stopover in Skopje Mazedonien - Balkan

Auch Abends ist es sehr schön im Zentrum mit unterschiedlichen Lichtern und Wasserspielen.

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Alexander der Grosse.

Stopover in Skopje Mazedonien - Balkan

Abseits des modernen Zentrums bröckelt aber die Fassade.

Stopover in Skopje Mazedonien - Balkan

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9 comments

Sandra

Das ist echt eine spannende Geschichte. Da habt ihr echt was erlebt!

Zoki

Super Artikel, kleine Anmerkung. Die Bahn wird hier gerade modernisiert, bald kommen die neuen Züge auch bis nach Geveglija zum Einsatz. Gruss aus Skopje
mazedonien-nachrichten.blogspot.com/2016/02/der-neue-zug-im-einsatz-zwischen-skopje.html

    marionanddaniel

    Hey super. Dann müssen wir ja direkt nochmal nach Mazedonien kommen und dies testen. Grüsse aus Regensburg

Christina

Schade, dass sich der Link zum Bericht im Flüchtlingslager bei mir nicht öffnen lässt. Hut ab, dass ihr dort wart und den Menschen so helft! Und wow, absolut beeindruckende Fotos von Skopje! Eine Stadt, eigentlich sogar ein ganzes Land, was ich so gar nicht auf dem Schirm habe. Der Tipp zum Namen FYROM ist wirklich gut, das hilft sicher jedem, der dort unterwegs ist.

    marionanddaniel

    Hey Christina, danke für dein Feedback. Mazedonien ist auf jeden Fall eine Reise wert. Es gibt so viele schöne Ecken die wir auch gerne noch erkunden würden. Der Link zum Idomeni Bericht funktioniert wieder. War wahrscheinlich ein Server Problem. Liebe Grüsse

Anna von Weltenfinder

Super Beitrag mit unglaublich stark wirkenden Bildern., Danke :)

    marionanddaniel

    :-) vielen lieben Dank liebe Anna.

Christina

Tolle Bilder und eine beeindruckende Geschichte :-)
Liebe Grüße
Christina

    marionanddaniel

    Hey Christina, freut uns sehr, dass es Dir gefällt. Liebe Grüsse

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